Methodenkoffer

Ideen und Anregungen für gutes Projektmanagement


Ishikawa Ursache-Wirkungs-Diagramm


  • Nötige Vorbereitung: Workshop planen, Definition des zu bearbeitenden Problems
  • Zeitaufwand: 2-8 Stunden (je nach Komplexität und Größe des Problems)
  • Teilnehmende: Moderator*in, Teammitglieder
  • Benötigte Materialien: Whiteboard, ggfs. mehrere Flipcharts bei Aufteilung der Gruppe, Haftnotizen, Stifte
  • Anprechpartner*innen PMO: Annika Kreis

Beschreibung der Methode

Das Ishikawa Ursache-Wirkungs-Diagramm, auch Fischgräten- oder Ishikawa-Diagramm genannt, ist ein visuelles Werkzeug zur Identifizierung und Darstellung möglicher Ursachen für ein spezifisches Problem. Entwickelt wurde diese Methode von Dr. Kaoru Ishikawa in den 1960er Jahren. Das Diagramm hilft dabei, die Ursachen-Wirkungs-Beziehungen zu analysieren, um anschließend Lösungsansätze bzw. Maßnahmen zur Problembehebung entwickeln zu können. Es findet unter anderem im Qualitätsmanagement, in der Prozessoptimierung, im Kundenservice oder im Projekt- oder Personalmanagement Anwendung. Im Projektmanagement können es Projektteams beispielsweise zur Analyse von Planabweichungen aller Art nutzen, um Ursachen sowie geeignete Steuerungsmaßnahmen zu identifizieren.

Ziel(e) und Nutzen der Methode

  • Systematische Erfassung und Strukturierung von möglichen Ursachen für ein Problem.
  • Förderung des Verständnisses für die Ursachen-Wirkungs-Zusammenhänge durch visuelle Darstellung.
  • Grundlage (schaffen) für die Entwicklung von Lösungsansätzen und Maßnahmen zur Problembehebung.
Mann hält überdimensionierten Bleistift, über ihm ist eine Fischgräte abgebildet
Bildquelle: www.colourbox.de/nuthawut

Durchführung

Den Ausgangspunkt und damit in Position des Fischkopfes bildet das Ausgangsproblem über dessen Ursachen und Wirkungen Sie sich klar werden möchten. Vom Ausgangsproblem aus werden die Ursachen geordnet nach den Kategorien, denen sie zugeordnete werden sollen, als Fischgräten aufgeführt. Beispielhafte Abbildung sowie Vorlagen finden Sie etwa auf einschlägigen Projektmanagement-Portalen wie Projekte leicht gemacht oder auch im Orgahandbuch des Bundeverwaltungsamtes.

1. Definieren Sie das Problem

Möglicherweise haben Sie das Problem, für welches Sie mögliche Ursachen ergründen möchten, bereits in einem vorhergehenden Prozess konkretisiert. Falls nicht, sollte das Problem von Ihnen - alternativ in Zusammenarbeit mit dem Team - vor Durchführung des Workshops präzise und allgemeinverständlich formuliert werden.

Legen Sie anschließend die Hauptkategorien fest, unter denen Sie im späteren Workshop die möglichen Ursachen des Problems einordnen möchten. Sie können eigene Kategorien definieren oder die “klassischen” Kategorien verwenden:

  • Mensch (People): Fehler oder Probleme, die durch menschliches Handeln oder Verhalten verursacht werden.
  • Maschine (Machines): Technische Probleme oder Fehler, die von Maschinen oder Ausrüstung ausgehen.
  • Material (Materials): Probleme, die durch Materialien oder Rohstoffe entstehen.
  • Methode (Methods): Ursachen, die aus den angewandten Methoden oder Prozessen resultieren.
  • Milieu/Umwelt (Environment): Externe Faktoren wie Umgebungsbedingungen oder regulatorische Anforderungen.
  • Messung (Measurement): Fehler oder Probleme, die durch ungenaue oder unzuverlässige Messungen entstehen.

Hinweis: Ursprünglich wurde das Ishikawa-Diagramm mit den Kategorien “Mensch”, “Maschine”, “Material” und “Methode” erstellt und meist ist das völlig ausreichend.

2. Planen Sie den Workshop

Bei dieser Methode ist ein Workshop in Präsenz aufgrund der hohen Interaktion und der dynamischen Arbeit am Whiteboard und eventuell an zusätzlichen Flipcharts ratsam. Führen Sie die notwendigen Vorbereitungen wie Planung der Teamzusammensetzung, des Ablaufs, der Dauer etc. sowie Versand der Einladung durch und organisieren Sie die Raum- und Materialausstattung. Übernimmt eine externe Beratung die Moderation, ist diese vorab ausführlich zu briefen.

3. Durchführung des Workshops

3.1 Die Moderation eröffnet den Workshop

Vor Workshopbeginn zeichnet die Moderation das Ishikawa-Diagramm bzw. das Fischskelett auf ein Whiteboard und schreibt das definierte Problem in den Kopf des „Fisches“ (als Ausgangsbasis für die weitere Analyse). Ebenso trägt sie die vorab festgelegten Kategorien am Ende der „Gräten“ des Fisches ein, die vom Hauptproblem wegführen (eine Kategorie je Gräte).

Die Moderation eröffnet den Workshop und erläutert dem Team das Ziel des Workshops sowie die Problemstellung.

3.2 Das Team bestimmt die Hauptursachen-Kategorien (optional)

Sollten Sie die Hauptursachen-Kategorien vorab (wie unter 1.) noch nicht definiert haben, dann nehmen Sie dies im Team nun noch vor.

3.3 Das Team identifiziert und kategorisiert die Ursachen

Sammeln Sie im Team mithilfe geeigneter Kreativitätsmethoden (z. B. Brainstorming, Mind Mapping usw.) alle möglichen Ursachen für das Problem. Wenn nötig, fassen Sie die Ursachen-Ideen anschließend noch zusammen (bspw. bei Doppelung). Nun ordnen Sie die ermittelten Ursachen den entsprechenden Hauptkategorien zu und die Moderation trägt diese auf dem Whiteboard an den Fischgräten ein.

4. Verfeinern und spezifizieren sie die Ursachen

Analysieren Sie im Team jede identifizierte Ursache detailliert und unterteilen Sie die Ursachen bei Bedarf weiter. Stellen Sie sicher, dass alle relevanten Aspekte berücksichtigt werden. Die Moderation trägt die weiteren Aspekte zu den Ursachen als “Nebengräten” im Diagramm ein. Betrachten Sie nun das erstellte Ishikawa-Diagramm noch einmal gemeinsam und überprüfen Sie dabei, ob die identifizierten Ursachen für alle Teilnehmenden so stimmig sind.

5. Bewerten und priorisieren sie die Ursachen

Bewerten sie nun im Team die identifizierten Ursachen hinsichtlich ihrer Wahrscheinlichkeit und ihres Einflusses auf das Problem, um diese zwecks weiterer Bearbeitung priorisieren zu können. Verständigen Sie sich im Team (bspw. mit der Vergabe von Punkten durch die Teilnehmenden) auf die Ursachen, für die sie Lösungsansätze und Maßnahmen zur Problembehebung entwickeln möchten.

Weiterführende Informationen